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Elvira Surrmann

* 1946 - in Oberhausen

jetzt: Wahl-Kreuzbergerin

 

 

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Geschichten der Wendländischen Miniaturen:

 

 

Wendlandmärchen

 

Verrückt, sagte die Tochter.

Ein Märchen, sagte die Mutter.

Wie Zuckerguss lag der Raureif auf den Feldern, der Bauwagen hatte eine Terrasse und der Apfelweg war das Tor. Die Mutter ist hindurchgeschritten, hat alle Aufgaben gelöst und wenn sie nicht …, nein, sie ist nicht gestorben und wird noch lange und glücklich leben bis an ihr Ende.

Ein Märchen? Eine Phantasiegeschichte für Kinder um sie ruhig zu halten, um ihnen Angst zu machen? Nein, ein Märchen vom Eintritt ins Leben, bei dem der Protagonist durch ein Tor treten, bestimmte Aufgaben erfüllen und Bescheidenheit und Mut zeigen muss, um den rechten Weg ins Leben zu finden.
Wollen Sie unser modernes Märchen hören?

Hier ist es:

Es war einmal ein Frau, die war auf dem Land groß geworden, später ihrem Vater in die Stadt gefolgt, hatte geheiratet und Kinder bekommen. Lange Zeit lebte sie alleine mit ihren Kindern, arbeitete als Tagesmutter, engagierte sich in einer Bürgerinitiative. Ihre kleine Wohnung lag an einem begrünten Innenhof, der sie an die Dörfer der Kindheit erinnerte.

Das Leben in der Stadt wurde von Jahr zu Jahr immer lauter, immer hektischer. Was mache ich hier eigentlich, fragte sie sich. Das einzige, was ich besitze, ist die Zeit. Die will ich gut füllen.

Die Kinder wurden groß, gingen aus dem Haus.

Da begab es sich, dass Freunde der Märchenfrau ins Wendland fuhren und sie mitnahmen.

(..............)

 

Der Kampf der Querköpfe

Um es gleich vorweg zu sagen: Er hat den Kampf gewonnen. Aber es war nicht einfach. Zuerst wurde das komische Essen kritisiert. Spargel mit Räucherlachs. Wo hatte man so etwas schon gesehen im Wendischen anno 90?

Und wo hatte man im Wendischen schon einen Wirt gesehen, der nachmittags nicht mit seinen Gästen auf ein Bierchen an der Theke steht? So ein Idiot, sagten die Knobelbrüder, die sich bei ihm trafen. Auch kleine Zusammenstöße ließen sich nicht vermeiden, wenn sich zum Beispiel ein Gast mit den Fingern aus der Vorspeisentruhe bediente. Wenn da nicht die Leute aus den Bürgerinitiativen, aus dem Widerstand gewesen wären, die das Essen lobten und von denen er sich gehalten fühlte, wer weiß, vielleicht hätte er dann aufgegeben, als die kleineren und größeren Zusammenstöße in unverhohlene Drohungen übergingen. Die Menschen aus den Bürgerinitiativen waren die Stadt auf dem Dorf, sagt er. Das Dorf auf dem Dorf aber wollte ihn loswerden. Eindeutig. Da kamen Gäste, die forderten Gerichte, die nicht auf der Karte standen. Als sie frech wurden, schickte er sie weg. Kurze Zeit später kam der Anruf: Das waren meine Gäste, du solltest sie besser behandeln! Ein Bekannter wollte bei ihm feiern. Er lehnte ab, weil er zu dem Zeitpunkt nicht im Gasthaus sein konnte. „Weißt du, was du da sagst?“ war die Reaktion darauf. Ein Gast, die sich über eine verspätete Bedienung ärgerte, wurde noch deutlicher: „Meine Tochter arbeitet bei der Sparkasse. Sie verstehen mich!“

Aber das Dorf auf dem Dorf hatte keine Ahnung, wer sich da zu ihnen gesellt hatte. Sein Name, nomen est omen, der nach Meinung einiger Sprachforscher von den nordfriesischen Inseln kommt und „tätig sein, ins Werk setzen“ bedeutet, hätte sie aufmerksamer sein lassen sollen. Die Friesen sind für ihre Dickschädel bekannt und wenn sie etwas ins Werk setzen wollen, dann werden sie es auch tun.

Er war nicht von allen freundlich erwartet worden. Sie waren nicht damit einverstanden gewesen, dass ihm das schöne Haus mit der großen Gaststube verkauft wurde. Wer konnte schon wissen, welche Widerstandschaoten sie sich damit ins Dorf holen würden. Er wurde zwar vom Bürgermeister begrüßt, Demos sollten aber auf keinen Fall von seinem Gasthaus aus losgehen.

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